Für die LSU Baden-Württemberg ist die CSD-Saison 2026 vorbei – auch wenn im Land in den nächsten Wochen noch weitere CSDs folgen. Ein Blick zurück auf bewegte Wochen. Von Ulm bis Stuttgart: Die Lesben und Schwulen in der Union Baden-Württemberg blicken auf eine Saison zurück, die bewegt hat. Emotional. Politisch. Und manchmal auch schmerzhaft.

„Wir sind mit Überzeugung dabei gewesen – in Ulm und in Stuttgart“, sagt Jan-Philipp Scheu, der Landesvorsitzende der LSU Baden-Württemberg. Mit eigenem Truck, Infoständen und einer eigenen Stimme. Für die Vielfalt. Für die Community. Und dafür, dass es eben nicht nur eine Art gibt, queer zu sein.

Dass der CSD auch der CDU Baden-Württemberg ein wichtiges Anliegen ist, zeigte sich in Stuttgart ganz konkret: Am Samstag fuhr die gleichstellungs- und familienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Isabell Huber MdL, mit auf dem LSU-Truck in der Parade. Am Sonntag besuchte die CDU-Generalsekretärin und Europaabgeordnete Andrea Wechsler den LSU-Infostand auf dem Straßenfest.

„Das ist kein Selbstläufer“, betont der Landesvorsitzende. „Dass sich die Landes-CDU so klar zur LSU und zum CSD bekennt, zeigt: Wir sind willkommen. Wir sind Teil der Partei. Und wir sind Teil der Community.“

Stuttgart: Zwischen Anfeindungen und Solidarität

Die Stimmung in Stuttgart war gemischt. Auf der einen Seite: Viele negative Rufe und Schilder während der Parade. Auf der anderen Seite: Menschen, die der LSU Mut gemacht haben. Plakate mit Aufschriften wie „Endlich normale Leute“. Stimmen, die gesagt haben: Ihr gehört dazu.

„Es war weitestgehend friedlich in Stuttgart – und ohne Gewalt. Das ist das Wichtigste“, betont der Landesvorsitzende. Doch es gab auch andere Momente. Während der Parade am Samstag kam die CDU/LSU-Delegation zeitweise zum Stehen – nicht wegen der Route, sondern wegen einer Sitzblockade vor ihrem Truck. „Wir wurden mit Schildern konfrontiert, auf denen sinngemäß stand: „CDU, Konzerne und Polizei verpisst Euch, ihr habt auf dem CSD nichts verloren'“, berichtet der Landesvorsitzende.

Worte, die treffen. Worte, die zeigen: Es gibt immer noch Menschen, die glauben, sie könnten bestimmen, wer für Freiheit auf die Straße gehen darf. „Wer uns ausschließen will, spaltet die Community“, sagt der Landesvorsitzende. „Das ist nicht im Sinne vom Christopher Street Day.“

Besonders hervorheben möchte die LSU dabei die Zusammenarbeit mit den Organisatorinnen und Organisatoren in Stuttgart und Ulm: „In Stuttgart und Ulm wurde nie über Ausschlüsse diskutiert – zumindest nicht von den CSD-Organisatoren. Das ist ein gutes Zeichen. Das zeigt: Es geht auch anders.“

Ein besonderer Dank gilt auch der Polizei und allen Einsatzkräften, die für die Sicherheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesorgt haben. „Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen. Danke für euren Einsatz, eure Präsenz und eure Professionalität.“

Warum die CDU/LSU zum CSD gehört

Immer wieder gibt es Forderungen, vornehmlich aus dem links-grünen Spektrum, die CDU und ihre queere Organisation LSU von CSD-Paraden auszuschließen. Die Antwort der LSU ist klar: Man kann zur Politik der CDU stehen, wie man möchte. Und sicher läuft auch nicht alles rund. Auch nicht bei Themen, die die queere Community betreffen.

„Und genau da haken wir als LSU ein“, so der Landesvorsitzende. „Wir kämpfen innerparteilich für unsere Themen und nennen auch Dinge beim Namen, die schief laufen. Wir setzen uns dafür ein und versuchen zu korrigieren.“

Der CSD ist eine politische Demonstration. Eine Demokratie lebt vom Diskurs unterschiedlicher Strömungen – auch innerhalb der queeren Community. Die LSU bringt konservative und liberale Stimmen ein, die für gleiche Rechte kämpfen – oft unter schwierigen Bedingungen in der eigenen Partei.

Blick nach Berlin: LSU Baden-Württemberg zieht klare Linie

Die Vorgänge in Berlin am 25. Juli 2026 mahnen zur Einigkeit. Ein mutmaßlich islamistischer Anschlag mit einem Fahrzeug kostete einer 65-jährigen Frau das Leben und verletzte 31 Menschen. Der Tatverdächtige, ein als Gefährder eingestufter 21-Jähriger, wurde einen Tag später bei einem Polizeieinsatz erschossen.

Die LSU Baden-Württemberg zieht daraus eine klare Linie: „Wer queeres Leben einschüchtern will, wird scheitern. Hass, Hetze und Gewalt haben in dieser Gesellschaft keinen Platz“, so der Landesvorsitzende. „Wir waren immer da und werden immer bleiben – laut, sichtbar und entschlossen. An der Seite einer offenen Gesellschaft und auch Dank eines wehrhaften Rechtsstaates.“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einer „abscheulichen Tat“ und einem „Angriff auf unsere Gesellschaft“. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nannte es einen „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“.

„Dafür lohnt es sich an jedem Tag aufs Neue zu demonstrieren und zu kämpfen“, betont der Landesvorsitzende. „Für Freiheit. Für Gleichberechtigung. Und für eine Gesellschaft, in der jede und jeder so leben kann, wie er oder sie es möchte.“

Zusammenhalt statt Ausgrenzung

Die LSU Baden-Württemberg wird auch in Zukunft beim CSD präsent sein – in Stuttgart, Ulm und anderswo. „Wir brauchen keinen CSD, der bestimmte politische Gruppen ausschließt. Wir brauchen einen CSD, der uns alle vereint gegen Hass und Intoleranz“, so Jan-Philipp Scheu abschließend. „Unsere Liebe ist stärker als jeder Hass – und unsere Entschlossenheit, für Freiheit und Gleichberechtigung zu kämpfen, ist ungebrochen.“